Donnerstag, 16. August 2012

...and my body feels so. much. better.

Kürzlich schrieb ich noch über die Befürchtung, gestern wars dann soweit, einer meiner amerikanischen Lieblingsblogs ist künftig nicht mehr vegan und eine ganze Menge Blogger scheint das nun ebenfalls so zu handhaben, zumindest haben sich die Verfasserinnen schon seit längerem wieder von einer rein veganen Ernährung abgewandt.
Der Grund: Die gesundheitlichen Verheißungen haben sich nicht erfüllt.
Bricht nun der amerikanische Veganboom ein? Nach diversen vorhergehenden auf Gesundheit fixierten Ernährungsformen scheint nun auch der heilige Gral "vegan" nicht die mit seiner Entdeckung verbundenen Versprechungen erfüllen zu wollen. Mich persönlich wundert das nicht: Kein Soja, kein Gluten, keine tierischen Produkte und am besten auch keine Kohlehydrate: wer sich aus rein gesundheitlichen (lies: untergewichtsaffinen) Gründen für diese Form der Ernährung entscheidet muss über kurz oder lang an der Restriktivität scheitern. Inwieweit eine rein vegane Ernährung überhaupt gesundheitliche Vorzüge vor einer gesund geplanten omnivoren Ernährung bietet ist nicht unumstritten, für gesunde Nahrungszusammensetzung bin ich aber alles andere als eine Expertin und da ich selbst immer wieder irritiert bin, wie viele Glaubenssätze von definitiven Laien verbreitet werden, will ich dazu auch keine Bewertung abgeben.
Nun laufen aber eben jene dem Veganismus weg, die zuvor noch "so.much.better" als Lieblingsfloskel für ihren Gesundheitszustand nach der Umstellung auf vegane (+x) Kost schrieben und auf ihren Blogs ganze Fotostories veröffentlicht hatten, wie großartig sie sich seit ihrer Umstellung verändert hätten.
Bei den wenigsten ist der erwünschte Gewichtsverlust überhaupt eingetreten und eben erst recht nicht nachhaltig erhalten geblieben (was mich nicht wundert, denn nur durch vegane Ernährung nimmt man nach meiner Erfahrung nicht ab, tatsächlich funktionieren viele Schlankmacherrezepte vegan auch gar nicht und Kekse aus Bohnen kann man auch in eine omnivore Ernährung integrieren).
Das "so.much.better." bezieht sich neuerdings dann eben auf "some grass fed animal protein" oder "few eggs". Natürlich alles aus vorbildlicher Haltung von dieser einen Frau da, die so lieb zu ihren Hühnern ist und sie nur schlachtet, weil sie ihren Schützlingen ersparen will alt und grau zu werden und körperliche Verfallserscheinungen mitzuerleben, richtig selbstlos. Kennen wir alles schon.

Bin ich enttäuscht? Vielleicht ein bisschen. Aber eigentlich war es doch klar. Vegan zu leben ist anstrengend, es fordert einen täglich neu heraus und ich bezweifle, dass eine großteils pflanzenbasierte Kost mit geringen Omnianteilen soviel ungesünder sein kann , als eine rein vegane Ernährung. Im Vergleich zur durchschnittlichen Ernährung leben Flexitarier gesünder und im Direktvergleich zu Veganern deutlich stressfreier, dass Gesundheitsbewusste irgendwann in die Richtung abbiegen würden, war also zu erwarten und nur eine Frage der Zeit.

Wo ist das Problem? Das liegt für mich darin, dass Veganismus mit Heilsversprechungen promotet wird, die er nicht halten kann. Kaum jemand nimmt dadurch einfach mal so 20 kg ab, man muss davor schon ziemlichen Müll gegessen haben, dass man auf einmal viel fitter, ausgeglichener und ausgeruhter ist und krank wird man trotzdem ab und an mal. Man kriegt trotzdem noch hin und wieder Pickel, stopft sinnlos Schokolade in sich rein und automatisch gesund ist vegane Ernährung auch nicht. Amerikanische Blogs die ein 0815-Cupcake-Rezept einfach in eines mit Margarine statt Butter und Soja- statt Kuhmilch umwandeln und ihrem Gebäck dann das Prädikat "healthy" verleihen, haben mich schon immer irritiert, tragen aber bestimmt auch zur Frustration bei. Wären Cupcakes wirklich healthy und enthielten alles was man so braucht, ich wäre die erste, die eine cupcakebasierte Diät beginnen und ohne Kompromisse durchziehen würde.
Natürlich ist eine Ernährung mit hohem Obst- und Gemüseanteil gesund, natürlich essen wir Mitteleuropäer zuviel Ei und zuviel Milch und selbstverständlich merkt man einen Unterschied, wenn man regelmäßig statt einer Riesenportion Schweinebraten mit Pommes auf einmal gedünstetes Gemüse mit Quinoa isst. Nur macht dich der eine Burger nachts um 3 eben nicht fett und krank und ein Gemüseeintopf heilt nicht alle deine Krankheiten. Im Übrigen geht es mir subjektiv auch viel besser, wenn ich nach zwei Wochen vollkommen gesund ausgerichteter Nahrung auf einmal wieder einen Schokokeks zwischen die Zähne kriege, soviel zur subjektiven so.much.better.-Wahrnehmung.

Stattdessen hilft eine realistischere Betrachtung: Vegan zu sein erleichtert es mir persönlich mich gesund zu ernähren. Das ist etwas, was ich gerne weitergebe, aber Gesundheit ist eben nicht das Maß aller Dinge für mich und ich esse bei weitem nicht ausschließlich gesunde Sachen.
Vegan bin ich aus ethischen Gründen, im Gegensatz zu den gesundheitlichen Aspekten halten mich diese Gründe sehr wohl davon ab, mir alle drei Monate doch mal ein Schnitzel zu "gönnen" oder bei Mutterns Geburtstag ein winziges Stücklein Sahnetorte zu verputzen. Gesundheitlich sehe ich dagegen keinen Grund, weswegen solche Ausnahmen nicht in Ordnung sein sollten, solange sie Ausnahmen beiben.
Nichts anderes kann Veganismus wollen: Eine großteils vegan basierte Küche mag gesundheitliche Vorteile haben, sie liegt zweifellos näher an den Empfehlungen sämtlicher Ernährungsverbände als die üblicheren Ernährungsmuster, aber dass sie gesundheitlich in 100%iger Ausführung notwendig ist, wage ich zu bezweifeln und habe bisher auch noch keine Ernährungsstudie gesehen, die das belegt.
Und darum geht es schlussendlich: Vegane Ernährung hat viele Vorteile, die meisten könnten allerdings auch mit einer hauptsächlich  veganen Ernährung erreicht werden, das sollte man in seiner Argumentation nicht vergessen, ansonsten macht man sich unglaubwürdig. Diese Erkenntnis beschränkt sich aber nicht nur auf die Ernährung und erst recht nicht auf die Gesundheit, sondern ist auf beliebig viele andere Bereiche auszuweiten.
Es gibt gute Gründe für einen 100%igen Veganismus, diese sind allerdings weltanschaulicher Natur, alles andere sind, bei realistischer Betrachtung, vor allem gute Gründe dafür den Konsum tierischer Produkte drastisch zu reduzieren.

Kommentare:

  1. Deinen Text kann ich nur total unterschreiben! :)

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  2. Gut gebrüllt, Tiger. :)
    Ich sehe das sehr ähnlich. Mich hält nicht der Gesundheitsaspekt, sondern das Bewusstsein, dass Fleisch essen, Tiere quälen und den Planeten ausbeuten einfach falsch sind, bei der Stange. Natürlich hat man es als Veganer(in) u.U. schwerer, sich "aus Versehen" ungesund zu ernähren - wenn wir mal das Extrembeispiel Chips und Cola außen vorlassen. Es gibt einfach (noch) nicht so viel veganen Junk - das sieht auf der anderen Seite des großen Teichs allerdings auch schon wieder anders aus. Auf der anderen Seite esse ich jetzt einfach jedes vegane Stück Kuchen, das meinen Weg kreuzt - man will ja Nachfrage schaffen. Außerdem hab ich auch selbst erfahren müssen, dass vegane Ernährung ungesund sein kann - nach 4 Wochen Rucksackreise durch die Karibik, wo es vor allem Reis und Salat für mich gab, war ich ziemlich am Ende mit meinen Kräften und brauchte mehrere Wochen vegane Aufbaukost, um wieder fit zu werden.
    Nun könnte man ja sagen, 3/4 vegan ist immer noch besser als 100% omnivor, aber das kann ich so nicht unterschreiben. Wenn Blogger, die ja in gewisser Hinsicht Vorbilder sind, einfach zwischen vegan und nicht-vegan wechseln, verliert die Philosophie an Glaubwürdigkeit. Veganismus wird im öffentlichen Diskurs sowieso schon viel zu oft mit Diät oder Ernährungsweise gleichgesetzt. So ist es auch einfacher, die echten veganen Anliegen zu ignorieren und das ganze als Trend abzutun.
    Dabei denke ich, dass jeder, der sich ernsthaft mit dem Denken hinter der "Gibts das auch mit Tofu?"-Frage beschäftigt, einsieht, dass es um grundlegendeste Werte geht. Werte, die imho niemand nicht wollen kann.
    Für mich gilt daher: Once you know it, you cannot unknow it.

    Liebst, Carly

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    1. Rucksackreise auf Basis von Reis und Salat klingt richtig anspruchsvoll, aber du hast recht, ich glaub wenn man da mal ernsthaft ein Bewusstsein für entwickelt hat, wenn man zulässt Tiere als Individuen und nicht als gesichtslose Produktionsmasse zu sehen, das kann man nicht mehr zurück und auch den Rest von deinem Kommentar kann ich nur unterschreiben.


      An veganem Kuchen geh ich auch nie vorbei- schon aus Prinzip, wenn es schonmal welchen gibt. Ich hab nicht viele Regeln, nach denen ich lebe, aber nicht an veganem Kuchen vorbeizugehen ist eine davon. ;)

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  3. Um diesen tollen Artikel, den ich übrigens in ähnlicher Weise auch geplant hatte, noch zu unterstreichen, eine kleine Anekdote aus meinem Veggie Bekanntenkreis: "Wieso sollte man aus gesundheitlichen Gründen das Tragen von Leder, Wolle und Pelz ablehnen?!"...wir unterhielten uns an dem Abend eben um gesundheitliche Argumente, die unserer Meinung nach aber mit dem Wortursprung Veganismus nichts mehr zu tun haben, der eindeutig die Ethik in den Vordergrund stellt.

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    1. Das wäre allerdings auch interessant herauszufinden, wie das bei den gesundheitlich motivierten Pflanzenfressern gehandhabt wird. Ich glaube in Deutschland gibts davon gar nicht so viele, ist zumindest mein sehr subjektiv geprägter Eindruck.
      Ich bin mal gespannt was du dazu zu sagen hast!

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    2. Mal schauen, wann ich die Zeit finde den Artikel zu schreiben. Wir hatten in unseren regionalen Veganertruppe wie gesagt eine Diskussion darüber, wie man Menschen für den Veganismus öffnen kann und klar die Aussicht auf einen Körper, der dadurch (angeblich) "gesünder, schlanker, fitter" wird/aussieht, scheint mehr zu "ziehen" als potenzielle Umweltschäden oder gar Tierleid. Leider erlebe ich das auch immer wieder. Manchmal habe ich echt keine Lust auf Diskussionen mit fremden Menschen und wenn ich dann sage "Ich mache das als Diät", kann ich das gut umgehen. Klar ist das nicht optimal, aber manchmal hat man einfach keine Lust auf Scheinrechtfertigungen des Gegenübers ;-) Gesundheits und Diätenwahn ist gesellschaftlich akzeptierter als "Gutmenschentum". Leider wahr :-(

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    3. ich glaube eher, dass sich die meisten tatsächlich mehr für ihre Linie interessieren als für ihre Gesundheit (sonst hätten die Crashdiäten keinen solchen Zulauf) oder gar für irgendwelche namenlosen Drittweltbewohner oder Tiere (sonst würde das Wirtschaftssystem kollabieren).

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  4. Was für ein toller Beitrag. Ich weiß nicht genau auf welchen Blog du dich beziehst, aber ich habe das schon öfter erlebt und jedes Mal bin ich so unglaublich wütend. In meiner Erfahrung passier das natürlich am häufigsten bei blogs die mit einer extrem restriktiven art des veganismus daher kommen...

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    1. Da das ja ein allgemeines Phänomen ist wollte ich auch nicht unbedingt auf einen speziellen Blog verweisen, aber wenn du einen Blick in die von mir verlinkten Blogs wirfst, findest du ihn (noch).
      Mich stört in solchen Fällen auch (und vor allem), dass keine vernünftige Selbstanalyse stattfindet und dass kein einziger vernünftiger Gedanke zum Veganismus an sich geäußert wird. Solang das alles aber nur eine Ernährungsform ist, tut man sich ja auch nicht schwer das eben wieder sein zu lassen...

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  5. Kann ich komplett so unterschreiben. Ist mir auch bei manchen aufgefallen... :/
    @Saskia: Meine Motivation für Veganismus ist auch zu 100% ethischen Ursprungs. Aber es gibt sogar gesundheitliche Gründe, die gegen Leder/Pelz sprechen. Ich finde das hier ganz gut aufgezeigt: http://www.tier-im-fokus.ch/info-material/info-dossiers/leder/
    Kleiner Auszug: "Insbesondere Lederprodukte, die in mehr oder weniger direktem Kontakt mit der menschlichen Haut stehen (so etwa Uhrenbänder, Schuhe und Handschuhe) werden mittlerweile als prekär eingestuft, falls sie Chrom-VI-Rückstände enthalten. Nach Meinung der Fachleute weisen solche Verunreinigungen ein krebserregendes und erbgutschädigendes Potenzial auf und gelten zudem als starkes Allergen (vgl. KLZH 2007)."

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    1. Danke dir für die Info, das hatte ich vollkommen verdrängt.

      Selbst wenn einem Tiere inkl. deren Rechte vollkommen egal sind, ist Leder ja trotzdem ein ethisch relevantes Problem: http://help.orf.at/stories/1696255/ Hatte ich schon vor längerer Zeit mal verlinkt, man sollte sich das aber wirklich immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, dass in der Lederherstellung feudale Zustände herrschen.

      Ich glaub ich muss nochmal nen Lederzusammenfassungspost machen, reicht ja nicht, dass schon genug Leute auf der Suche nach "Ledersklaven" auf meinem Blog landen ;)

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    2. Danke dafür, irgend sowas schwirrte mir neben den massiven ökologischen Folgen auch im Kopf herum. Aber für viele Gesundheitsfanatiker/Ernährungsfanatiker (im Punkt Fitness/angebliche Gesundheit) ist das ja schon wieder zu abstrakt, da werden lieber andere Dinge verteufelt, je nach Ernährungslehre...obs nun die Kohlenhydrate, das Fett oder ähnliches ist. ^^ Die Argumentationen laufen ja meistens über schlank = gesund/dick = ungesund bzw. Ernährung xy macht dick = ungesund; Ernährung xy macht schlank = gesund.

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  6. super beitrag! all diese angepriesenen hollywood stars die neuerdings vegan leben, werden auch wieder zum alten lebensstil zurückkehren... eigentlich war es klar, daß es passieren würde - genauso wie du geschrieben hast. die tiere spielen in diesem ganzen boom leider keine rolle :-(

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    1. ich finds schade, weil ich schon ein bisschen gehofft hatte, dass sich in die "damit werd ich schlank und schön"-Debatte auch noch ein wenig tierrelevantes mit einschleicht...
      Es gibt so ein paar Promis bei denen ich ernsthaft annehme, dass sie dabei bleiben, Ellen Degeneres zB, allerdings glaub ich war die noch nie erklärte Anhängerin der Size-Zero-Truppe...

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    2. Naja Natalie Portman war zur Zeit ihrer Schwangerschaft wieder Vegetarierin und neuerdings soll ja Anne Hathaway auch Veganerin sein..zufällig laß ich aber in einer Klatschzeitschrift, dass sie auch Eier, Fisch essen soll...passt irgendwie nicht ganz.

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    3. erinnert mich an Pam Anderson von der ich irgendwo mal gelesen habe, dass sie eine Creme mit Stammzellen aus Kuhföten benutzt. Aber sie ist ja "proud member of PETA" ...

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  7. Sehr guter Text!
    Diesen Trend zum Veganen/Vegetarischen aus Abnehmgründen habe ich auch schon so wahrgenommen und gleichzeitig hat er mich sehr irritiert.
    Ich bin deutlich übergewichtig und seit einem halben Jahr ca. vegetarisch. Viele Fragen dann, ob das denn was bringt? Ich: "Inwiefern?" - "Na ob du abgenommen hast?"
    Aber das ist ja überhaupt nicht der Punkt... Fände ich, bei meinem Körpergewicht, natürlich nett, aber darum gehts mir eben einfach nicht.

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    1. Das ist doch aber auch das eigentlich traurige, dass es so viele gibt, die sich nicht vorstellen können, dass man seine Ernährung nicht sich selbst, sondern irgendwelchen anonymen Tieren (und natürlich auch über die mittelfristigen Folgen Menschen) unterordnet :/

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  8. Hey! Wirklich ein toller Post, du hast meine Gedanken zu dem Thema perfekt zusammengefasst! Ich bin auch immer total enttäuscht und wütend über solche "Meinungswechsel". Besonders schlimm finde ich es, wenn sich die Blogerinnen dann plötzlich als "Opfer des Veganismus" dastellen und dann am besten noch zu brennenden Befürwortern der Paleo-Ernährung werden. Letztere scheint ja DER neue Trend zu sein und alle Veganer, die wieder anfangen "grasfed and lean protein" zu essen, fühlen sich plötzlich so "vibrant". Ehm, ja...Eigentlich habe ich ja immer gesagt, dass es mir egal ist, ob jemand aus ethischen oder aus gesundheitlichen Gründen vegan lebt, aber es ist leider wirklich so, dass das "Rückfallrisiko" in eine nicht vegane Ernährung viel größer ist, wenn einem die Tiere egal sind...Mir persönlich ist eine gesunde Ernährung auch sehr, sehr wichtig (zu wichtig, was nicht zuletzt durch diese super "healthy-blogs" kommt), aber ich würde trotzdem nicht anfangen, wieder Fleisch zu essen, nur weil die neueste Studie besagt, dass es überlebenswichtig ist. Pjuh, jetzt habe ich ziemlich viel geschrieben...Jedenfalls toller Beitrag, danke dafür! :)

    Liebe Grüße, Anna

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    1. Mich ärgert einfach am meisten, dass damit veganer Ernährung generell der Stempel "ungesund" aufgedrückt wird, wobei "healthy" eigentlich als Synonym für "unterkalorisch aber bitte ohne Mangel und Leistungsabfall" verwendet wird. Diese Ernährungsform wird man aber einfach nicht finden, weil dauerhaftes Essen unter dem Tagesbedarf zwangsläufig ungesund ist und der Körper dann irgendwo spart.
      Stattdessen wird mit einem Federstrich alles an Aufklärungsarbeit weggewischt, was Veganer bisher erreicht haben und vegane Ernährung wird (mal wieder) als ungesund verteufelt und das nur weil irgendjemand sich mit einer no carbs, no soy, no nuts, no animal products und höchstens 1000kcal am Tag-Diät nicht vibrant genug fühlt. Das Problem ist, dass das jetzt dem Veganismus angekreidet wird, anstatt zuzugeben, dass extrem restriktive Ernährungsweisen nunmal ihren Tribut fordern wird "mein Körper verlangt danach" vorgeschoben. Das ist ja an sich schon ein Paleoargument. Und mir wäre es vollkommen egal, ob die Leute nicht mehr vegan sind, wenn sie dabei wenigstens die Courage hätten zuzugeben, dass ein rein gesundheitlich motivierter Veganismus für sie zu strikt ist, dass extrem restriktive Formen auf Dauer schwer durchzuhalten sind und dass die Tatsache, dass man permanent Mittelpunkt jeder Party ist nur weil man die Hamburger nicht essen will, auf Dauer einfach nervt.

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    2. Wenn man Veganismus als "Diät" begreift, dann nervt diese wie jede andere Diätform auch irgendwann und der Jojo Effekt stellt sich ein. Bei Diäten steht ja Verzicht auf x,y,z im Vordergrund und da ist es klar, dass ohne jegliche ethische Motivation irgendwann der Punkt kommt, indem das "Verbotene" wieder attraktiv wird.

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  9. Ich finde, vegan ist teilweise schon mit gesund gleichzusetzen. Das bedeutet nicht, dass jede vegane Diät wirklich so förderlich ist, aber eben, dass tierische Produkte, insbesondere Milch, nachgewiesen schädlich für den menschlichen Organismus sind - siehe die China Studie und unzählige andere Milch/Fleich-Studien in Korrelation zu verschiedenen Krankheiten.

    Mir ist auch der Trend Abnehmen durch Veganismus noch nicht aufgefallen. Aber vielleicht lesen wir auch einfach nur andere Blogs.
    Dort wo ich online unterwegs bin, schränkt man Soja, Zucker, Gluten und Tierisches ein, isst ansonsten aber ohne Einschränkungen und mit sehr vielen Kalorien.

    Die Themen Gesundheit und Ethik müssen sich auch gar nicht ausschließen. Ich "kenne" einige, die aus gesundheitlichen Gründen angefangen haben, und mit diesem neuen Bewusstsein und Wohlbefinden in der Lage waren, sich für Tierrechte und ökologische Themen u öffnen.
    Während es auf der anderen Seite auch viele gibt (z.B. mich), die aus ethischen Gründen begonnen haben, aber über die Jahre gemerkt haben, dass vegan nicht gleich vegan ist, sondern es auch noch ein gesundheitsbewusstes Vegan gibt.

    Die Absprungrate bei Ethink- oder Gesundheitsveganer würde ich als gleich groß einschätzen. Weil ich eben auch schon Blogger gesehen habe, die vorher pro Tier argumentiert haben, und irgendwann doch den omnivoren Mittelweg gesucht haben - sei's, weil sie keine gesundheitlichen Wirkungen feststellen konnten oder weil sie erkannt haben, dass ihr Idealismus doch wirkungslos bleibt ... und es kein Unterschied macht, ob man von diesem sowieso toten Tier noch ein Stück isst oder nicht.

    Übrigens wird die Umwelt auch umso weniger belastet wird, je gesünder wir uns ernähren - sprich möglichst unverarbeitet, unverpackt und roh. Von dem Standpunkt aus betrachtet, beinhaltet das Thema Lifestyle und Gesundheit doch etwas mehr Potential, als nur den egozentrische Wunsch, strahlen zu können.

    Was den Rest betrifft: Ja, ich bin auch oft enttäuscht, wenn glühende Anhänger mit mal vom Weg abkommen, und eine komplett andere Richtung einschlagen. Zum einen, weil man dadurch eine Identifikationsfigur verliert, zum anderen, weil das so ein bisschen das Vertrauen, das man in andere setzt, zunichte macht.
    Ich finde, wenn man jedem erzählt, wie super und wie toll man sich nun fühlt, sollte man das auch so meinen ... und es nicht nur raushauen, weil man dran glauben möchte. Schließlich trägt man mit derartigen Aussagen auch sowas wie Verantwortung.

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    1. "Die Absprungrate bei Ethink- oder Gesundheitsveganer würde ich als gleich groß einschätzen"
      Mhm, das bezweifele ich aber. Es ist doch viel schwerer seine ganzen Moralvorstellungen über einen Haufen zu werfen, als die zur Gesundheit, oder nicht?

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    2. Da du ja selbst die China Study angesprochen hast: Campbell geht davon aus, dass ein Prozentsatz bis ca. 10% tierischen Nahrungsanteils keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat, damit nähert er sich eigentlich auch nur von der anderen Seite: Nahezu alle Ernährungswissenschaftler empfehlen eine enorme Reduzierung des Anteils an tierischen Lebensmitteln und eine Erhöhung des Obst- und Gemüseanteils. Vegane Ernährung kommt den Empfehlungen in der Praxis häufig näher als die durchschnittliche Alltagsernährung (zB nur 2X Fleisch in der Woche, 5x Obst/Gemüse täglich....), daraus lässt sich aber nicht im Umkehrschluss ableiten, dass rein vegan deswegen automatisch gesünder ist. Das Credo "gesund" mag für eine pflanzlich _basierte_ Ernährung richtig sein, gesundheitlich spricht aber nichts gegen einen geringen Anteil tierischer Produkte, solang es dabei bleibt. Je nach Studienlage kann das sogar gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.
      Abzuwarten bleibt, wie sich das entwickelt, wenn man als Veganer irgendwann nicht mehr frisch kochen muss, sondern ebenso die Möglichkeit hat in jedem Supermarkt TK-Pizza und Co mitzunehmen.

      Vor allem bei der klassischen Rohkost bezweifle ich auch die Vorteile für die Umwelt: Vollreifes Obst wie Flugmangos werden per Flugzeug importiert, Datteln, Bananen, rohe Schokolade, das alles wächst nicht vor unserer Haustür und häufig in ehemaligen Urwaldgebieten, über Menschenrechtsverletzungen und Umweltvernichtung für Bananen und Schokolade wird ja immer wieder ausführlichst berichtet. Da würde ich davon ausgehen, dass zB die Anhänger der Slow-Food-Ernährung trotz Fleischanteils einen wesentlich besseren ökologischen Fußabdruck produzieren, wie gesund reine Rohkost ist, ist ja auch nicht ganz unumstritten.

      Was die Absprungrate angeht: Ich kenne bis dato wenige "ethische Veganer" die wieder abgesprungen sind. Die die es getan haben, wurden allerdings lediglich wieder Vegetarier, während die Entwicklung, die ich momentan bei den Gesundheitsveganern betrachte direkt zurück zu "endlich wieder Burger" führt. Nun ist meine persönliche Erfahrung natürlich subjektiv und daraus Allgemeingültigkeiten abzuleiten wäre falsch. Trotzdem finde ich es schon relativ logisch, dass jemand der es als falsch begriffen hat ein Tier zu töten und auszubeuten, der begriffen hat, dass jedes einzelne Schnitzel mal ein Individuum war, das lebte und das auch wollte, künftig mit einer anderen Sicchtweise ans Kühlregal tritt, als jemand, der aus gesundheitlichen Gründen agiert und die Massentierhaltung zwar nicht okay findet, aber kein generelles Problem damit hat, dass Tiere für Nahrung getötet werden.
      Soweit ich mich richtig erinnere war das sogar Thema einer Untersuchung, in der zB Gesundheits-Vegetarier sehr viel häufiger angegeben haben, dass sie "mal eine Ausnahme" machen und auf dem Grillfest eben auch mal Wurst essen würden.

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    3. Es gibt ja nicht nur die China Studie. Es gibt unzählige Studien über Fleisch und Milch in Verbindung mit Krankheiten. Besonders die Seite http://fleisch-macht-krank.de/ ist zu empfehlen. Da findet man so viele Studien und Fachartikel, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Und dass man in fast jeder konstruktiven Diskussion mit einem Omnivoren die Oberhand gewinnt, wenn man es denn will ;)

      Natürlich heißt das nicht, dass das Schlückchen Rohmilch pro Monat, die drei Fetstücken im Salat oder das eine Stück Schweinebraten zu Weihnachen sofort negative Auswirkungen hat.
      Von allem, was ich bisher gehört und gelesen habe, sehe ich das ähnlich: Wenig tierische Produkte müssen nicht ungesund sein.

      Aber wie viel ist wirklich wenig? Wo ist die eindeutige Grenze?
      Und sind dir im Gegensatz dazu Studien bekannt, die Obst und Gemüse (natürlich ohne erhöhte Pestizidbelastung) als ungesund einstufen? Oder von einem "zu viel" nachdrücklich warnen?
      Mir nicht. Warum sollte eine vegane Ernährung sich dann aus gesundheitlicher Sicht hinter einer Mischkost anstellen und den kürzeren ziehen?
      Klar, vegane Kekse und veganer Kuchen sind bestimmt schlechter einzuordnen, als mageres Geflügel mit viel Salat. Aber wenn man generell von pflanzlicher und unverarbeiteter Kost und tierischer unverarbeiteter Kost ausgeht, glaube ich, dass die pflanzliche immer überlegen ist.

      Was den Umweltaspekt angeht: Das, was man in Standarddiäten isst, ist doch auch in den wenigstens Fällen regional. Da kommt die Mango eben nicht frisch aus Thailand, sondern versteckt sich im exotischen Müsli, in Fruchtsäften, verschiedenen Eissorten oder in Yogutrette. Kakao wird in Form von Keksen, Kuchen, Kaffeekaltgetränken oder Schokodesserts verspeist. Und Bananen konsumiert der Durchschnittbürger doch sowieso. Ganz zu schweigen vom nicht fairen Kaffee. Und den Co2-Ausstoß von Rindern und den Hunger in Afrika erwähnen wir lieber gar nicht erst.

      Gut, ich habe jetzt auch nicht unbedingt die zwei Extreme - exotische Rohköstler und bio-regionale Omnivore - vergleichen wollen, sondern wollte nur darlegen, dass man als gesundheitsbewusster Veganer vermeintlich mehr für die Umwelt tut, als ethische Veganer. Eben weil man, wenn man auf Gesundheit wert legt, eher unverarbeitetes Essen kauft und zubereitet, und weniger zu Alpro- und Fleischersatzprodukten, Keksen, Schokoriegeln und Pflanzenaufstrichen greift.

      Was die Absprungrate betrifft: Ich habe es schon erlebt, dass Leute sich mit einer Inbrunst für den Veganismus eingesetzt haben, die armen Tiere usw., um nach einiger Zeit langsam aber sicher wieder zurückzurudern und sich mit der gleichen Inbrunst der Gegenseite zu widmen.
      Denise Minger ist da ein berühmtes Beispiel. So wie sie sich früher für den Veganismus eingesetzt hat, wettert sie jetzt genau gegen diese. Sie hat sogar wie eine Verrückte daran gearbeitet, Campbells China Studie zu widerlegen - und sich dabei vollends lächerlich gemacht. Trotzdem hört sie nicht auf, gegen "die falsche Seite" anzureden und eine Art Paleo Diät zu promoten.
      Ich denke, sowas ist einfach eine Charakterfrage. Es gibt eben so Menschen, die nicht gern objektiv sind, und immer versuchen, ihre Sicht der Dinge mit tausend Argumenten zu stützen. Ändert sich die Sicht, ändern sich auch die Argumente.
      Also beispielsweise - probiere ich mal den Trend vegan aus, und ja, wie Recht die haben, die armen Tiere ... da geh ich jetzt auf die Barrikaden, mach auf allen Demos mit usw.
      Das verläuft sich irgendwann, man vergisst seine Wut (oder verdrängt sie), sieht alles in Relationen, beginnt wieder Tierisches zu essen - und muss das vor sich selbst natürlich auch rechtfertigen. Also ist die vegane Seite mit mal doof, und überhaupt...

      Ich werd das Gefühl nicht los, dass gerade radikale Veganer diejenigen sind, die über kurz oder lang umschwenken. Denn Radikalität und Verständnis/Empathie/Liebenswürdigkeit/Respekt gegenüber allen Lebewesen (eben auch andersdenkenden Menschen) schließen sich für mich aus.
      Aber das ist wirklich nur mein ganz persönlicher Eindurck :-)

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  10. Liebe Cara,

    Du hast Dir wieder viel Mühe gegeben mit Deinem Text!

    Manchmal denke ich, das Thema Veganismus ist imgrunde zu kompliziert, um überhaupt darüber zu schreiben. Diese vielen "Richtungen" innerhalb des Veganismus, dieses Hin und Her, das Meinen eines jeden, den optimalsten Weg gefunden zu haben etc. wirken bisweilen richtig verstörend. So kommt mir manchmal der Gedanke, ob es nicht besser so wäre: Einfach vegan sein und die Klappe halten. :-)

    Anderseits ist der Austausch und die Inspiration, die wir Blogger uns gegenseitig geben, auch wirklich superschön, und ich möchte das nicht missen. Aber wie gesagt, es gibt Momente, da empfinde ich das Vegansein als Gesprächs-/Schreibthema als sooo anstrengend.

    Noch was anderes: Du bist ja schon lange vegan, hast Du evtl Tips parat bzgl veganem Schuhwerk? Habe dazu jüngst einen Post geschrieben.

    Liebe Grüße
    Iris

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