Mittwoch, 9. April 2014

Lesenswertes zum Mittwoch

Veganes Essen ist doch nicht gesund

Das vegane Aufregerthema der letzten Woche. An sich ist dazu schon alles gesagt worden, kurz möchte ich noch hinterherschicken, dass der journalististische Umgang mit dem Test der Verbraucherzentrale Hamburg erneut die Punkte illustriert, die ich an Online-Journalismus so kritisch sehe: Reiner Schlagzeilenexhibitionismus um Klickzahlen zu generieren - ausgewogene Berichterstattung sieht anders aus. Denn, seien wir ehrlich, dass Convenience-Food aus der eingeschweißten Plastiktüte weder gesundheitlich noch kulinarisch irgendwelche Preise gewinnt, das hätte sich der Durchschnittsverbraucher schon auch ohne effektheischendes Tamtam gedacht. Und der Rückschluss von veganen Convenience-Produkten auf vegane Ernährung gesamt ist auch bei bestmöglicher Interpretation kritikwürdig.

Richtig und wichtig allerdings ist der Hinweis auf die teils unzureichende Etikettierung, die mir auch des Öfteren schon sauer aufgestoßen ist. Für die Hersteller ist das hoffentlich ein klares Signal dahingehend umzudenken.




Tofu für Tofuhasser

Vor allem für Asienreiseerfahrene ist der in Europa erhältliche Tofu oft ungenießbar. Ich erinnere mich an diverse mir bekannte Sinologen, die nach ihrem China-Aufenthalt begeistert zum Tofukauf in den nächsten Supermarkt gelaufen sind, nur um mit einem fürchterlich langen Gesicht ein gequältes 'der schmeckt aber eklig' herauszupressen. Manche Bio- und Asialäden bieten frischen Tofu an, wer aber gerne selbst Hand anlegt oder wirklich richtig frischen Tofu probieren möchte, dem hilft diese tolle Aneiltung der österreichischen Zeitung der Standard.
Tobias Müller schwärmt: "Ganz frisch und noch warm vom Kochen entwickelt er ein kräftig-süßes, gemüsiges Aroma, er duftet blumig nach Soja, und wenn man ihn nicht übermäßig presst, dann zergeht er wie zarter Pudding auf der Zunge."

Klingt vielversprechend, oder?



(Grau-)Papageien - niemals in Einzelhaltung 

Dass Papageien nicht alleine gehalten werden sollten ist nichts grundlegend Neues und sollte jedem Hobbyornithologen bekannt sein. Eine Studie konnte aber jetzt nachweisen, dass die Tiere durch den Stress auch körperlich geschädigt werden. Bei Papageien in Einzelhaltung waren die Telomere der Chromosomen signifikant kürzer - die Telomere verkürzen sich bei jeder Zelldivision, erreichen sie eine kritische Kürze, so kann sich die Zelle nicht mehr weiter teilen. Dieser Mechanismus wird sowohl mit der Mortalitätsrate, als auch dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht.
Die Studie der Vetmeduni Vienna konnte zum ersten Mal nachweisen, dass nicht nur Stress, sondern auch soziale Isolation Einfluss auf die Länge der Telomere haben können.

Mehr dazu gibt es hier und hier.



Vegan - der neueste Coup des Christian Vagedes

Mit dem Gründer der vgd habe ich mich schon lange nicht mehr beschäftigt, sein neuestes Projekt, die Zeitschrift "vegan" ist aber in aller Munde. Gesehen habe ich sie, außer auf Bildern, noch nicht und kaufen werde ich sie wohl auch nicht, vermutlich aber durchblättern, sollte ich sie zu Gesicht bekommen. Gegebenenfalls editiere ich den Beitrag dann nochmal.
Die bisher gelesenen Kritiken reichten von "veganthematischer Rundumschlag" bis hin zu "buntes Heftchen für 15-jährige Großstadthipster". Inwieweit Vagedes seinen Hang zu Esoterik oder veganfremden Baustellen (Kleinschreibung) ebenfalls zum Thema des Heftes macht, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.
Ob das Heft ein Erfolgskonzept ist wird man sehen müssen. Schon Kochen ohne Knochen hatte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und hätte wohl ohne die Kooperation mit alles-vegetarisch eingestellt werden müssen.
Kim Kalkowski erwähnte auf Facebook noch zwei weitere vegane Zeitschriften die erscheinen sollten, von denen habe ich aber bisher sonst nirgendwo gelesen.

'vegan' kostet 3,50€ und ist an einigen Verkaufsstellen erhältlich - im Zweifel ist der Zeitschriftenhändler am Bahnhof immer die beste Anlaufstelle



Noch ein Hinweis in eigener Sache - der Vegan Wednesday wächst!

Sehr gefreut habe ich mich, dass unsere kleine Blogvernetzungsaktion diese Woche die 3000 Follower-Marke auf Pinterest geknackt hat. Und die Zahlen steigen rasant weiter!
Auch auf diesem Weg geht mein herzlicher Dank an alle beteiligten Blogger, Follower und nicht zuletzt an das großartige Team, das sich jede Woche die Zeit nimmt Pins einzusammeln. 

Mittwoch, 2. April 2014

Schlacke und Co: Fasten und Detoxkuren


Fasten?


Seit etwa zehn Jahren faste ich regelmäßig - nicht einfach so wild drauf los, sondern geplant und nach Anleitung. Ich nehme mir eine bestimmte Anzahl Tage vor, schaufle meinen Terminplan leer, kaufe Zutaten für meine Brühen und Säfte für mein Mittagsgetränk, lege ein Fastentagebuch neben mein Bett, platziere meine Laufschuhe und meine Schwimmsachen gut sichtbar im Flur und dann genieße ich das Nicht-Essen-Müssen, meist für fünf bis zehn Tage.

Im Vordergrund steht dabei die Auseinandersetzung mit Gewohnheiten. Nach den üppigen Weihnachtsfeiertagen war Fasten für mich immer ein wirksames Mittel um die außer Kontrolle geratenen Ernährungsgewohnheiten zu bändigen. Spätestens um Halloween geht es jedes Jahr los: Hier ein Plätzchen, da ein Schokoriegel, doch lieber eine zweite Portion Pommes statt Salat und der Sport, zu dem ich mich sonst ganz gut aufraffen kann, wird wetterbedingt reduziert und dann eingestellt.
Die Quittung nach den Feiertagen: Die Jeans kneift und spannt, schnippt man gegen den Bauch, schwabbelt er wie ein Wackelpudding und die Kondition ist meistens auch im Eimer, was es nicht leichter macht sich wieder zum Sporteln aufzuraffen. Sätze wie: 'Ab morgen wieder weniger Fett' oder 'gleich morgen Früh geh ich joggen' gehören zum nichteingehaltenen Standardrepertoire und werden immer weiter nach hinten verschoben - natürlich mit den allerbesten Ausreden.

Gewohnheiten durchbrechen!



Hier kam für mich immer das Fasten ins Spiel: Gewohnheiten durchbrechen und einmal den Resetknopf drücken - tolle Sache eigentlich. Und wirklich fällt es mir danach um einiges leichter wieder vernünftig zu essen. Nach den Aufbautagen habe ich mich wieder daran gewöhnt, dass nicht alles in Öl getränkt oder pappsüß sein muss, um zu schmecken. Zudem fange ich während der Fastenwoche mit leichtem Sport an, den ich auch danach konsequent weiterführen und steigern kann und der Push für das Selbstbewusstsein ist ganz enorm: Wenn ich es schaffe zehn Tage nichts zu essen, an Restaurants und Eisdielen vorbeizujoggen, ohne den Kellner anzufallen oder sabbernd an der Scheibe festzukleben, was kann mir dann noch etwas anhaben? Mind over matter.

Gerichtet habe ich mich dabei nach dem Plan in dem von Fastenarzt Dr. med Hellmut Lützer bei GU erschienenen Fastenführer. Der Fastenplanlan ist für eine Woche konzipiert: Ein Entlastungstag, fünf Tage Tee-Saft-Fasten nach Buchinger und Rezepte für zwei bis drei Aufbautage.
Mit ein bisschen Recherche ließ sich schnell herausfinden, dass viele der Erklärungen, die allgemein zum Fasten gegeben werden nicht dem medizinischen Forschungsstand entsprechen, aber es war mir egal. Das Ergebnis war das was zählte und meines fühlte sich verdammt gut an.

Während der Fastenperioden hatte ich erstaunlicherweise nie mit Hunger zu kämpfen. Spätestens nach dem ersten Tag hatte ich auch das Bauchgrummeln hinter mich gebracht und empfand das durchaus als befreiend. Unangenehm waren dagegen die teils heftigen Stimmungsschwankungen, die ich aber als für die 'Entgiftung' notwendige Fastenkrisen in Kauf nahm. Auch der widerliche Zungenbelag und das vermehrte Ausschwitzen unangenehmer Gerüche redete ich mir lange Zeit schön, ich sah darin die Zeichen, dass an der 'Entgiftung' doch etwas dran sein müsse, auch wenn ich im Laufe der Zeit immer wieder über Artikel und Studien stolperte, die zumindest das Vorhandensein von Schlacken als alternativmedizinischen Unsinn brandmarkten.
Auf der anderen Seite schießen in jedem Jahr - pünktlich zum Frühlings- und damit auch Diätstart - Artikel aus dem Boden, die Fasten als Entgiftungskur anpreisen.

Detox? Entgiftung? Entschlacken?



Das Zauberwort: Detox, zu Deutsch Entgiftung. Das klingt nicht nur hipper, es entgeht auch der Frage danach, was entschlacken eigentlich bringen soll, wenn die Existenz von Schlacken mittlerweile medizinisch widerlegt ist. Aber auch wenn es nicht um die Ausleitung von überschüssigen Stoffwechselprodukten geht, Giftstoffe lagern sich tatsächlich im Fettgewebe ab.
"Weshalb Abspeckkuren Gift freisetzen, erklärt sich aus der Funktion unserer Fettpolster. Sie sind evolutionär nicht nur als Kältepuffer und Reserven für nahrungsärmere Zeiten gedacht, sondern auch als Zwischenlager für fettlösliche Gifte." (spiegel.de)
 Untersuchungen legen aber nahe, dass die radikale Auflöung der Giftdepots eher schädlich ist:
Die große Menge Giftstoffe, die auf einmal freigesetzt wird, wird nicht ausgeschieden oder ausgeschwitzt, sondern zirkuliert im Blut, gelangt von dort in die Organe und kann diese schädigen. Vor allem stark übergewichtigen Personen und Menschen, die häufig Kontakt zu Umwetgiften haben, wird deswegen von Fasten in Eigenregie unbedingt abgeraten.
Tatsächlich macht es aber wohl durchaus einen Unterschied, wie viel Fettmasse abgebaut wird. Gehört man nicht zu den Risikogruppen, so sind bei wenigen Fastentagen und entspechend geringem Fettverlust die Gefahren nicht so groß, wie bei langzeitigem Fasten. Unterschätzen sollte man sie aber nicht.
"Wenn zu lange gefastet wird oder Kinder, Kranke und Normalgewichtige fasten, kann der Angriff auf die Energiereserven gefährlich werden. Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten," warnt die DGE (sueddeutsche.de)

Mein Fazit

Fasten ist jedes Mal wieder eine interessante Erfahrung. Bewusst eingesetzt lernt man seine Grenzen kennen, schaltet sich selbst ein wenig herunter und setzt sich selbst einen Startpunkt für Änderungen im Lebenswandel. Dazu muss man bereit und sich dessen bewusst sein. Eine unbedingte und radikale Zäsur bietet das Fasten allemal.
Gesundheitliche Vorteile bringt das Fasten dagegen nur in medizinischen Ausnahmefällen (das sogenannte Heilfasten sollte aber unbedingt unter ärztlicher Aufsicht und ausschließlich bei entsprechender Indikation durchgeführt werden).
Im Gegenteil sind viele Vorerkrankungen unbedingte Ausschlussgründe - so zB Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen, sowie Essstörungen oder Suchterkrankungen.
Wer selbst gerne einmal fasten möchte, sollte sich unbedingt vorher von einem Arzt durchchecken lassen und sich gründlich informieren. Ich selbst werde es künftig wohl lieber mit 'leichteren' Formen des Fastens versuchen, wie sie einige meiner Blognachbarinnen in der Fastenzeit praktiziert haben. Für einen Reset genügt eine Verzicht auf Zucker oder Weißmehl wohl auch - und auf dem Weg zurück zu einem gesünderen Lebensstil ist es ohnehin besser, die verkorksten Gewohnheiten sofort an der Wurzel zu packen und die Strategien in den Alltag zu integrieren.



Zum Weiterlesen:

Fasten - Die Mär vom Entschlacken (Spiegel)
Ballaststoffe fürs Gehirn - Sinn und Unsinn des Fastens (SZ)
Faktencheck: So sinnvoll ist eine Fastenkur (Spiegel)
Wie neugeboren duch Fasten (Dr. med Hellmut Lützner)






Sonntag, 30. März 2014

Lesenswertes am Sonntag

Du liest gern und teilst das auch gern mit anderen? Dann guck doch mal bei Blogger schenken Lesefreude vorbei. Am 23.04.2014 werden allerhand Blogs aus verschiedenen Bereichen Bücher verlosen. Letztes Jahr habe ich leider zu spät von der Aktion erfahren, dieses Jahr bin ich aber mit dabei.

Verlosen werde ich einen Gedichtband eines zeitgenössischen Lyrikers, den ich jedem, der sich für Gedichte begeistern kann, unbedingt empfehle. Was genau das sein wird verrate ich hier noch nicht, in der offiziellen Liste steht das Buch allerdings schon geraume Zeit drin. Zusätzlich lege ich das Buch bei, das ich im Rahmender Aktion Lesefreunde verschenken darf.




Übrigens: Noch ist Zeit um sich anzumelden und selbst zum buchschenkenden Blogger zu werden!


Diese Woche bin ich über zwei sehr lesenswerte Artikel gestolpert:

Leo Fischer (der von der Titanic) schreibt auf seinem Blog über die vegane Außenwirkung. Nicht bei allem bekommt er meine volle Zustimmung, aber es ist mindestens amüsant, bestenfalls auch aufschlussreich vegane Überzeugungsarbeit aus einer anderen Perspektive zu lesen.

Zum Thema vegane Überzeugungsarbeit ist mir dieser Blogbeitrag aufgefallen. Veröffentlicht wurde er auf dem Blog von Konstantin Wecker, hervorragend geschrieben, wenn auch vielleicht ein bisschen plakativ. Ich fühlte mich spontan an Roald Dahls Kurzgeschichte von dem Jungen der vom Land kommt und einen Schlachthof besichtigt erinnert. Auf alle Fälle ist er einen Blick wert.


Dienstag, 25. März 2014

Vegan Wednesday #83 - hier wird gesammelt



Long time no see! Aber ab morgen wird hier wieder gesammelt, also überrascht mich mit tollen Fotos von kleinen und großen Köstlichkeiten, damit ich ein wunderschönes Board zusammenstellen kann.

Die Links zu den Beiträgen sollten bis Samstag Abend hier abgegeben werden.

Falls noch Inspirationen fehlen - auf den bislang 82 Wochen- und den vielen Themenboards findet sich bestimmt etwas. 

Ihr findet uns auf facebook und Pinterest.


Sonntag, 23. März 2014

Reden über Fleischkonsum - der Umgang mit Nichtveggies

Nicht erst seit Erfindung des Sixpack-Veganers und dem darauf folgenden sprunghaften Anstieg des Flexitariertums ist die kein Fleisch vs. weniger Fleisch-Debatte einer der großen Streitpunkte. Wie soll sich ein Veganer positionieren, wie sinnvoll ist es eine radikale Position einzunehmen und Fleischkonsum generell abzulehnen oder ist ein Entgegenkommen der bessere Weg, um sich Sympathien und Gesprächsbereitschaft zu sichern?
Manche sind um die Außenwirkung bemüht, andere argumentieren mit Erfolgen und einige sehen die vegane Grundideale gefährdet.

"die Veganisierung der Welt"

Diejenigen, die eine vermeintlich vermittelnde Position einnehmen und in der Reduktion des Fleischkonsums bereits einen immensen Fortschritt erkennen, berufen sich häufig darauf, dass so eine größere Menge Menschen überzeugt  und/oder der Veganismus salonfähig gemacht werden könne.
Zugegeben stößt mich diese Argumentation etwas ab. Sie klingt zu sehr nach missionarischem Eifer. Vegan zu leben ist für mich in erster Linie die konsequente Umsetzung meiner ethischen Überzeugungen, nicht das Sammeln einer möglichst großen Zahl von Mitstreitern. Akzeptiert jemand meine Argumentation und entscheidet sich selbst vegan zu leben, handelt es sich nicht um meinen Verdienst. Es ist bestenfalls eine Mittlerposition die ich einnehme, indem ich meine Weltsicht erkläre und jemanden auf diese Art überzeuge. Die Logik dahinter besteht unabhängig von mir.
Der Einwurf, dass sich mit einer größeren Öffentlichkeit auch die Wahrnehmung der ethischen Implikationen ändert, ist durchaus berechtigt. Erst durch die zunehmende Präsenz ist vegane Ernährung ein Thema geworden, das Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Die Zeiten, in denen der Verzicht auf Tierprodukte im öffentlichen Bewusstsein zwangsläufig mit linksalternativem Außenseitertum gekoppelt war, dürften vorbei sein. Dass vegane Ernährung kein reines Randphänomen mehr ist und dass es mittlerweile auch außer Haus genügend vegane Optionen gibt, ist ebenso allein dem Vegan-Boom zu verdanken. Auch ich finde das praktisch und dass ich für eine Packung Sojamilch nicht mehr ins entlegendste Reformhaus der Stadt fahren muss, ist bestimmt nichts worüber ich mich beschweren würde, aber es ist ein reichlich egoistisches Argument für eine Verbreitung veganer Ernährung.

"Jedes Stück Fleisch weniger ist gut für die Tiere."

Es gibt auch Stimmen die annehmen, dass man durch Fleischverzicht eine relevante Anzahl Tierleben retten würde und deswegen jedes nicht gegessene Schnitzel zähle.
Ich würde mir wünschen es wäre so einfach, aber die Zahlen sprechen leider eine andere Sprache: Trotz des in Deutschland sinkenden Fleischkonsums, werden jedes Jahr neue Schlachtrekorde aufgestellt. Was hier im Land nicht konsumiert wird, geht in den Export und die industrielle Tierhaltung arbeitet bereits am Auschöpfungsmaximum. Durch die globalisierte Wirtschaft fällt der individuelle Boykott nicht ins Gewicht. Und durch die Diversifizierung der Konkurrrenzunternehmen auf dem Fleischmarkt ist der Griff zu der Tofuwurst neben der Teewurst für das "boykottierte" Unternehmen ebenso relevant, als hätte man zu einem fleischhaltigen Mitkonkurrenten gegriffen. Kein Fleisch zu kaufen übersetzt sich wirtschaftlich nicht in Systemkritik, da die ethischen Beweggründe für den Hersteller überhaupt keine Relevanz haben und durch die Kaufentscheidung auch nicht sichtbar werden. Die simple Logik hinter der Konstruktion dieses Angebot-Nachfrage-Arguments würde nur funktionieren, würde man Fleisch "on demand" kaufen. Das Schnitzel, auf welches man in der Kantine verzichtet, hat aber keine Auswirkungen. Zumindest nicht, solange es mehr als genügend alternative Absatzmärkte gibt.

Über wessen Recht reden wir eigentlich?

Wer hat das Recht über Tod und Leben eines Tieres zu bestimmen? Rein rechtlich ist das Töten legitim, wenn es aus "gutem Grund" geschieht. Dass Schlachten für Nahrungszwecke dazugehört, steht juristisch außer Frage. Die tierrechtliche Perspektive ist eine andere: Das Tier hat ein Recht auf Leben, über welches nicht fremd entschieden werden kann. Wer diese Ansicht vertritt, sollte sich im Klaren sein, dass er seine Position durch gegenteilige Aussagen aufweicht.
Zugegeben, das ist eine recht theoretische Diskussion. Praktische Auswirkungen sind aber näher als gedacht: Im Bezug auf Tierschutz und tiergerechte Ernährung gilt 'der Veganer' als vorbildlich. Als solcher eine Position zu vertreten, die Fleischkonsum (in welchem gemäßigten Maß auch immer) unterstützt, wird bestenfalls zu einer (nicht unbedingt gerechtfertigten) Glorifizierung von Biofleisch führen, schlechtestenfalls aber dazu, dass die vegane Position als Absolution für Fleischkonsum wahrgenommen wird.

"Du isst Fleisch, also...?"

Dass es sich bei der Fleisch-kein-Fleisch-Frage um ein Reizthema handelt ist offenkundig. Kritik an Verhalten oder Einstellungen ist für niemanden leicht zu ertragen, erst recht nicht, wenn es sich um ein emotional derart aufgeladenes Thema handelt.
Dass Massentierhaltung untragbar ist, ist breiter gesellschaftlicher Konsens, Tiertransporte über weite Strecken lehnt die Mehrheit ab und soll eine neue Mastanlage oder ein Schlachthof gebaut werden, gibt es breite gesellschaftliche Proteste. Die Grundpositionen klaffen trotzdem auseinander: Das Töten wird nicht in Frage gestellt. Tatsächlich geht es den meisten um Verbesserungen im Hinblick auf den Tierschutz, nicht aber um eine originär tierrechtliche Position.
Inwieweit man als Veganer aus praktischen Erwägungen bereit ist, die eigene Position abzumildern oder aufzugeben muss man mit sich selbst ausmachen. Zudem mag diese Frage nicht immer eindeutig zu beantworten sein, da es in Interessensverbänden durchaus Sinn machen kann, sich auf eine vermittelnde Position zu einigen.
Dabei ist eine der größten argumentativen Schwächen der Gegner der kein-Fleisch-Position, dass sie davon ausgeht, dass selbige notwendig aggressiv und damit abschreckend vorgetragen werden muss. Es ist aber durchaus möglich den eigenen Standpunkt deutlich zu machen, ohne damit einen Angriff oder eine Abwertung des Gegenübers zu implizieren.
 Ich belasse es bei "ich halte das Töten von Tieren (zu Nahrungsmittelzwecken) grundsätzlich für nicht vertretbar," verdeutliche aber auch, dass ich es für eine ethische Frage halte und ich mir durchaus bewusst bin, dass meine eigene Position keine notwendige ist. Auch wenn es nicht meinen Überzeugungen entspricht, so hat jeder das Recht zu einem anderen Schluss zu kommen.

Die Absolution für Fleischkonsum aus dem Mund eines tierrechtlich orientierten Veganers dagegen halte ich für bigott oder um Hagen Rether zum meatless monday zu zitieren: "Der Mann [Paul McCartney]  ist seit Generationen Vegetarier und wirbt dafür, an sechs Tagen in der Woche Fleisch zu essen."

Freitag, 14. März 2014

Mein erstes Mal...

...mein erster Gastpost! 


Die liebe Petzi hat sich bereit erklärt mit einem Rezept bei mir zu Gast zu sein. Das freut mich sehr, denn sie kommt nicht nur aus meinem erklärten Lieblings(-urlaubs)land, sondern hat auch noch eine der allertypischsten österreichischen Leckereien im Gepäck. 

Neben Thomas Bernhard und Austropop sind Mozartkugeln in meinen Top Drei, wenn ich mich für meine österreichischen Favoriten entscheiden müsste, wenn auch nur knapp vor den wundervollen österreichischen Bloggern, die meine Feed täglich versüßen, so wie Petzi. Ihr Blog ist eine wahre Fundgrube für leckere Rezepte, schöne Fotos und kindgerechtes Essen. Zudem sammelt sie seit einiger Zeit Bilder für den Vegan Wednesday.
Auf "From Veggie to Vegan" findet ihr viele weitere tolle Rezepte - nun aber viel Spaß beim Lesen und Nachbasteln der Mozartkugeln!





Hallo zusammen!
Mein Name ist Petzi, mein Blog heißt From Veggie to vegan. Dies ist mein erster Gastpost auf einem anderen Blog und ich bin total stolz, dass es gleich auf einem so tollen Blog wie think.care.act ist! Cara leistet hier so tolle Arbeit und ich lese immer wieder gerne bei ihr mit!

Ich möchte Euch heute etwas ganz typisches aus meinem schönen Land Österreich zeigen: die Mozartkugeln. Immer wieder ein beliebtes Souvenir für Österreich-Touristen und immer wieder lecker! Natürlich sind die herkömmlichen alles andere als vegan und für meinen Geschmack auch total überteuert. Da dachte ich mir: Warum nicht einfach mal selber machen?

Und hier mein Ergebnis:

Mozartkugeln

Zutaten:

100 ml Sojacuisine
300 g vegane Schokolade
200 g vegane Marzipanrohmasse

Zubereitung:

Sojacuisine zum Kochen bringen. 100 g der Schokolade in kleine Stücke hacken und einrühren. Vom Herd nehmen. Unter Rühren die Schokolade schmelzen. Komplett auskühlen lassen, bis die Masse stichfest ist.
In kleine Bällchen teilen.




Marzipan in kleine Stücke teilen (so viele wie es Bällchen gibt). Die Marzipanstücke zu flachen Scheiben drücken, ein Schokobällchen in die Mitte legen und das Marzipan schließen. Zu einer Kugel rollen.





Restliche Schokolade im Wasserbad schmelzen. Marzipankugeln eintunken und aushärten lassen. 




Ich habe sie gleich in Papierförmchen gelegt, wodurch sie natürlich nicht ganz rund werden. Ihr könnt sie einfach auf Backpapier legen oder wer es ganz perfekt machen will spießt sie auf Zahnstocher, tunkt sie in die Schokolade und steckt sie in Knetmasse etc. zum aushärten.




Wenn das Marzipan nicht für alle reicht, kann man die Schokokugeln auch einfach in veganen Zuckerstreuseln rollen. Ist auch sehr lecker. Mein Kind mochte die lieber! 











Sonntag, 2. März 2014

Ach, Herr Hildmann, Sie alter Medienprofi!

Da haben Sie sich mal wieder mit einem Ihrer Buddies ablichten lassen, dieses Mal mit einem der beef buddies. Und weil man solche Fotos nicht kommentarlos auf der Facebook-Fanseite veröffentlichen kann, loben Sie ihn auch gleich noch für seinen vorbildlichen Fleischkonsum.

Vorbildlich, das heißt in Ihrem Wortschatz "er jagt selber" und "unterstützt regionale Metzger und Bauern". Zugegeben, in der kein Fleisch vs. wenigstens bewussten Fleischkonsum-Debatte Stellung zu beziehen ist wie Stepptanzen im Minenfeld. Dass die relativ unkritische Übernahme der regionales Fleisch = gutes Fleisch-Haltung Ihnen aber nicht nur Sympathiepunkte einbringen würde, das hatten Sie wohl auch selbst schon vermutet? Sich der Diskussion zu entziehen, indem Sie die Kritik unter dem Begriff Tofu-Fundamentalismus zusammenfassen, ohne darauf einzugehen, dass es in jedem Kommentarstrang auch durchaus reflektierte kritische Meinungen gibt, das mag psychologisch nachvollziehbar sein, steht einem Medienprofi wie Ihnen aber nicht so besonders gut zu Gesicht. 

Wirklich eigenartig wird diese ganze Geschichte aber erst, wenn man bedenkt, dass Sie gerne den Vorzeigeveganer mimen, das aber hauptsächlich dadurch edeln, dass Sie ja gar nicht so dogmatisch (=konsequent) sind und von militanten (=ethisch motivierten?) Veganern nichts bis noch weniger halten als der durchschnittsdeutsche Medienkonsument und Buchkäufer, an den Sie sich wohl mit einem solchen Statement anbiedern wollen? Geschickte PR, das muss man Ihnen neidlos zugestehen, Herr Hildmann. Aber warum können Sie nicht einfach vegan vegan sein lassen und es halten wie Ihre Kollegin Lindsay Shay Nixon: Nennen Sie sich einfach nicht Veganer, wenn Sie sich auf den Ernährungsaspekt beschränken wollen, suchen Sie sich einen hippen Ersatzbegriff, dann kümmert auch keinen mehr der Sitzbezug Ihres Porsches, versprochen!